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Teil 2: Im Schwarzen Walde

  • Fiona
  • 25. Apr.
  • 6 Min. Lesezeit

Nach unserer kleinen Bummel-Reise durch Deutschland haben wir nun also den Schwarzwald erreicht.

Der erste Stop führte uns zu einer alten Wassermühle, nach einem Blick auf den Wegweiser stellten wir fest, dass wir am Mühlenweg gelandet waren, einem Wanderweg, der über 13 km an restaurierten Wassermühlen vorbei führt. [8] Wir sind dem Mühlenweg als Nachmittags-Runde zwei Mühlen weit gefolgt. Auf diesem kurzen Stück, stellten wir fest, dass der Schwazwald nicht nur Bäume, sondern auch Berge hat ( immer diese Höhenmeter…) und dass die Wanderwege hier mitunter über die Höfe führen. So haben wir nicht nur zwei Mühlen, sondern gleich auch drei lokale Höfe besichtigt.




Kurz darauf, als wir uns auf den Weg zu einem Wanderparkplatz machten, stellten wir fest, dass nicht nur die Wanderwege hier über die Höfe führen. Auch die Straße, die wir nahmen ließ uns mehr das Gefühl haben auf den Hof zu fahren, als daran vorbei.

Mit einem kurzen Blick auf die Uhr und einem „Da soll ein Aussichtspunkt sein, wollen wir zum Sonnenuntergang da hoch?“ haben wir zum dritten Mal an diesem Tag eine kleine Tour unternommen (Am Morgen gab es schon eine kleine Wanderung an den Weinbergen entlang). Da ich, mit meinem absoluten Navigationstalent, erst einmal den falschen Punkt auf der Karte markiert habe und wir vor einem großen Felsblock standen ohne Blick irgendwohin, waren wir dann punktgenau mit der ersten orange-färbung des Himmels am Aussichtspunkt.



An den Abenden konnten wir uns sehr gut vorstellen, woher der Schwarzwald seinen Namen hat, denn der Mond geht zur Zeit so spät auf, dass wir die Abend-Runden mit Cody noch Mond-los und somit wirklich im Stockfinsteren machen müssen. Am nächsten Morgen hat uns dann das Wetter gezeigt, dass es auch kein Wunder ist, dass so viele Legenden und Mythen hier ihren Ursprung haben.



Bei dem Wetter kann nicht mal ich Caesar es übel nehmen, dass er hier ein Einhorn gesehen haben will. Doch im Gegensatz zum guten Julius waren wir nicht auf der Suche nach Fabeltieren, sondern nach Zauber-Behausungen. Denn unsere morgendliche Wanderung führte uns zum nahegelegenen Hexenhaus, samt Hexentanzplatz.

Die Legenden und Bräuche rund um die Hexen-Sagen scheinen in der Region noch heute eine besondere Bedeutung zu haben, es sind mehrere der Hexenhäuser im Wald zu finden und mit dem Kandel, hat der Schwarzwald auch einen ausgeschriebenen Hexenberg. (da waren wir aber nicht) [1,9]



Nach dem Morgen im Reich der Legenden haben wir uns dann wieder auf die etwas handfestere Geschichte konzentriert. Mittags ging es zur nahe gelegenen Ruine Schauenburg. Laut unseres Navigationsgeräts müssten wir nur kurz einmal hier über diesen Berg und dann wären wir da. Was uns das Gerät verschwiegen hatte, war das das eigentlich ein Wanderweg war... Als wir uns endgültig sicher waren, hier nicht mehr weiter zu kommen, lohnte sich das umkehren allerdings auch nicht mehr, sodass wir auf einen anderen Wanderweg auswichen. Der wurde dann netterweise auch recht schnell wieder zu einem Waldweg.



Zurück in der Zivilisation erreichten wir die Ruine. Die Schauenburg war sogar noch ein kleines bisschen früher dran als die Burg Wildenberg, sie wurde 1070 - 1090 von den Zähringen errichtet (Nachbarn von den Staufern, die ja im guten Kontakt zu den Herren der Wildenberg standen). Zwischen 1090 (also direkt nach der Erbauung) und 1500 wurde die Burg durch Heiraterei, Erbschaftszankerei und dem Üblichen "Das ist aber meine, ich hab sie zuerst gesehen" immer wieder hin und her gereicht. (So stelle ich mir übrigens den Plot von Game of Thrones vor) In Erinnerung geblieben, aus diesem ganzen Gezicke, ist mir nur, dass die Schauenburg zwischenzeitlich in weiblicher Hand war, als sich Uta von Calw von ihrem Mann trennte (meinen Respekt dafür) und auf die Schauenburg zog, dessen Namen sie dann auch kurzerhand annahm. Im 17. Jahrhundert wurde sie dann in Erbfolgekriegen (was auch sonst) stark beschädigt und 1731 offiziell als Ruine bezeichnet. [2,5]



Danach haben wir noch einen Abstecher in den angrenzenden Ort, Oberkirch, gemacht. Hier sind wir schon wieder den Mythen und Legenden begegnet.



Am nächsten Morgen hatten wir ein neues Mystherium entdeckt. Auf dem Parkplatz auf dem wir standen und von wo aus wir nichts ahnend unsere morgendliche Hunderunde machen wollten, kamen plötzlich mehrere Autos, in allen waren Menschen mit Hunden. Soweit erst einmal normal und an einem Waldparkplatz auch kein seltener Anblick. Ihr Verhalten jedoch gab uns Rätsel auf: die Menschen gingen mit ihren Hunden in den Wald, kamen dann nach nicht mal 5 min wieder, brachten die Hunde wieder ins Auto und zogen dann allein, ohne Hunde wieder los. Da dies nicht nur einmal geschah, sondern alle, die dort parkten, wussten wir, irgendwas ist hier im Gange.

Wir haben dann dem Gruppenzwang getrotzt und Cody durfte uns den ganzen Waldspaziergang lang begleiten. Danach machten wir uns auf den Weg zu unserem letzten Stop im nördlichen Schwarzwald, der Klosterruine Allerheiligen. Auf dem Weg zur Ruine konnten wir das Rätsel um das seltsame Verhalten schließlich lösen: nah am Waldparkplatz auf einer freien Wiese fand gerade die Prüfung zum Jagdhund statt und das morgendliche Ritual war wohl die nervöse Vorbereitung der Prüflinge auf ihren großen Moment.


Schon beim Erreichen des ziemlich großen Parkplatzes des Klosters, oder besser gesagt der darunter liegenden Wasserfälle, wussten wir, dass dieser Ort wohl nicht nur auf unserer Reiseliste stand. Da wir ziemlich früh dran waren, war es allerdings kein Problem und wir machten uns auf den Weg die Treppen an den Wasserfällen entlang Richtung Kloster.



Dieser beeindruckende Weg, zusammen mit den Erwartungen, die durch den großen Parkplatz und das offensichtliche touristische Interesse, hatte uns sehr neugierig auf die Ruine gemacht. Am Kloster angekommen wurden wir, ehrlicherweise, ernüchtert. Dieses 1191 - 1196 gegründete und gebaute Kloster, welches von Uta von Schauenburg gestiftet wurde (moment, die kennen wir doch?!) muss wohl einmal ziemlich beeindruckend gewesen sein. Schon im 13. Jhd war es ein Pilgerort und später unterrichteten die Mönche die Kinder der Umgebund und gründeten im 18. Jhd. ein Gymnasium. Von all dem war allerdings nicht mehr viel zu sehen. Es standen nur noch ein kleines Eingangs-Gebäude und von der Kirche 2 sehr deutlich restaurierte Wände, von den anderen Klostergebäuden war fast nichts mehr zu sehen und ein kleiner Teil wurde noch durch Kniehohe Mäuerchen angedeutet.

Wie wir nach unserer Besichtigung in dem kleinen drei-räumigen Museum nachlesen konnte, wurde das Kloster nach der Schließung des Gymnasiums 1816 auf Abbruch verkauft und viele der Teile wurden für andere Bauten (insb. Kirchen) in der Umgebung verwendet.

Dummerweise bekam nicht lange nach dem Verkauf und Abbruch von Teilen des Klosters, der Ort neuen Reiz durch die Erschließung der Wasserfälle (ca. 1840). Hiermit erhielt der Ort natürlich einen gewissen touristischen Reiz und es wurde ein Kur- / Gasthaus neben der Ruine errichtet. [3]



Auch wenn all das plausibel erscheint, war es für uns unbegreiflich, warum gerade diese, nicht wirklich gut erhaltene Ruine, eine so große Beliebtheit erfährt, dass wir uns auf dem runter weg kaum getraut haben für Fotos stehen zu bleiben und der Parkplatz ungelogen überfüllt war (und es gibt noch mehrere um die Ruine herum).

Im dritten Raum des Museums konnte ich dann auch dieses Geheimnis lüften (es war wohl der Tag der Rätsel): ein gewisser Karl Beadecker kam 1853 auf seiner Reise durch dieses Tag und entdeckte die Ruine und das Gasthaus. Wenn es eine Person da draußen gibt, bei der der Groschen gerade nicht gefallen ist, sie möge bitte einfach den Nachnamen des werten Herren in eine beliebige Suchmachschine eingeben, dann ist wohl alles klar.


Nun der Rest unseres Schwarzwald-Erlebnisses ist schnell erzählt. Nach dem Besuch der Klosterruine haben wir uns auf den Weg in den südlichen Schwarzwald, den Hochschwarzwald begeben. Auf Grund einer schlechten Wetterprognose, die dann auch eintrat, gönnten wir uns für 2 Nächte eine kleine Ferienwohnung, um nach der ersten Woche Urlaub mal wieder duschen und in einem warmen Bett schlafen zu können (wir hatten teilweise Frost in den Nächten). Da es wirklich 2 Tage lang mehr oder weniger durchregnete, haben wir die Zeit drinnen verbracht und nur kurze Spaziergänge unternommen.



Und damit endet unser Schwarzwald-Zwischenstopp. Als nächstes geht es weiter nach Frankreich und auf direktem Weg in die Pyrenäen.



Quellen:

[1] E. Scheer unser-bw, M. Eckert Geheimnisvoller Schwarzwald: Auf den Spuren von Hexen und Nixen (2023); https://unser-bw.de/geheimnisvoller-schwarzwald/ Zugriff: 18.04.26 11:01 Uhr

[2] Infotafel auf der Schauenburg

[3] Landesarbeitsgemeinschaft Kirche und Tourismus, Klosterruine Allerheiligen; https://kirche-tourismus-bw.de/kirche-im-nationalpark-schwarzwald/klosterruine-allerheiligen/ Zugriff: 18.04.26 12:19 Uhr

[4] Renchtal Tourismus GmbH, Klosterruine Allerheiligen; https://www.renchtal-tourismus.de/poi/22-klosterruine-allerheiligen/ Zugriff: 18.04.26 12:20 Uhr

[5] Renchtal Tourismus GmbH, Ruine Schauenburg; https://www.renchtal-tourismus.de/poi/2-ruine-schauenburg/; Zugriff 18.04.26, 11:53 Uhr

[6] Schwarzwälder Bote, K. Drinkuth Rottweil: Stadt will verfolgten “Hexen” ihre Würde zurückgeben (2015); https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.rottweil-stadt-will-verfolgten-hexen-ihre-wuerde-zurueckgeben.56afc032-0d8a-400a-bb08-511576318662.html Zugriff: 18.04.26 11:32 Uhr

[7] Schwarzwald Tourismus GmbH, Mühlen; https://www.schwarzwald-tourismus.info/schwarzwald/klassiker/schwarzwaelder-baukultur/muehlen Zugriff: 18.04.26 13:06 Uhr

[8] Schwarzwald Tourismus GmbH - Ottenhöfen im Schwarzwald - Mühlenweg (offizielle Tour);https://www.schwarzwald-tourismus.info/touren/ottenhoefen-im-schwarzwald-muehlenweg-offizielle-tour-3740e7019eZugriff: 18.04.26 13:07 Uhr

[9] Süddeutsche Zeitung, Zweitäler-Land: Die schockierende Seite vom Schwarzwald (2022); https://www.sueddeutsche.de/reise/morbide-legenden-zweitaeler-land-die-schockierende-seite-vom-schwarzwald-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-221123-99-632854 Zugriff: 18.04.26 13:14 Uhr


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